Afrika Tansania

Planung einer Selbstfahrer-Safari in Tansania (Serengeti+ Ngorongoro)

By on 9. January 2018

Als erste Idee für eine Safari im Norden Tansanias stand im Raum diese auf eigene Faust mit einem gemieteten Wagen zu fahren. Dies aber zuerst nicht wegen des sich unweigerlich ergebenden Abenteuers, sondern eher um die Kosten zu reduzieren, die bei einer “Standard” Safari in Tansania extrem hoch schienen.
Am Ende des Urlaubs wurde uns zwar klar, dass sich der Kostenfaktor durchs selber fahren nicht wirklich zum positiven verändert. Aber das Gefühl selbst mit dem Auto durch Tansania und die Nationalparks im Norden gefahren zu sein wurde die prägende Erfahrung unseres Urlaubs und macht damit die höheren Kosten mehr als wett.

Die genauen Details wollen wir euch jetzt hier erzählen.

Die Fakten im Überblick:

  • Wir wollten 7 Tage Safari im Norden Tansanias machen
  • 4 Parks standen anfangs auf dem Plan: Ngorongoro, Serengeti, Tarangire und Lake Manyara. Am Ende blieben aber nur 2 davon übrig (Serengeti und Ngorongoro).
  • Die Idee war einen Wagen zu mieten  und selbst ohne Guide zu fahren
  • Als Autovermietung hatten wir uns Tanzanian Pioneers ausgesucht (diese vermitteln die Autos von Serengeti Select Safari in Arusha)

Wie gesagt, am Anfang dachten wir wir sparen Geld, wenn wir selbst mit einem Wagen unterwegs sind und eben nicht mit einer geführten Tour. Das war aber ein Trugschluss. Am Ende wurde es viel teurer. Aber das fanden wir nicht ganz so  schlimm, weil wir uns durch das selbst Fahren ganz andere Bausteine in unseren Urlaub eingebaut hatten, an die wir anfangs gar nicht gedacht hatten: Nämlich das Abenteuer alleine durch die Wildnis und fahren und damit teilweise komplett alleine zu sein und bis zum Horizont keine anderen Menschen zu sehen. (Massai ausgeschlossen, denn diese sind zumindest im Ngorongo überall) 

Das sollte meiner Meinung nach auch euer Hauptgrund sein eine Selbstfahrer Safari in Tansania zu unternehmen: Das Abenteuer wirklich alleine in der Wildnis unterwegs zu sein und dabei dann auch noch wilde Tiere zu sehen. Also quasi Camping mit angeschlossener Safari.

Wer dies nur machen will, um Geld zu sparen, der ist hier wohl falsch und sollte sich lieber einer geführten Safari anschließen.

Welcher Autovermieter für eine Selbstfahrer-Safari in Tansania ist empfehlenswert? 

Wir haben lange nach Anbietern recherchiert und die meisten waren sehr teuer. Viele nahmen weit über 200 USD pro Tag und manche verbieten sogar die Fahrt in die Serengeti. Der günstigste (aber immer noch teure) Anbieter war unserer Suche nach Tanzanian Pioneers bzw. Serengeti Select Safari ( TP vermittelt die Landrover von SSS und beide haben die gleichen Preise auf der Webseite).

Die Kosten sind 1.30 $ pro km, wobei man mindestens 100km pro Tag bezahlen muss. Laut Daniel von Tanzanian Pioneers ist dies auch die durchschnittliche Strecke, die meistens pro Tag gefahren wird. Laut Nathan von Serengeti Select Safaris (der mit uns vor Ort die Route durchgesprochen hat) bleibt aber kaum einer unter 100 km pro Tag. Eine wichtige Information, denn bei 1.30$ (inkl. VAT)  pro zusätzlichem Kilometer kann dies sehr stark ins Geld gehen. Bei uns war das auch der Fall. Bei 7 Tagen Mietdauer waren 700 km inkludiert. Tatsächlich gefahren sind wir aber 1100 km und das ohne dass wir unserer Meinung nach zu viel gefahren wären. Wir haben aber natürlich auch nicht auf den einzelnen Kilometer geachtet. Sehr stark ins Gewicht fällt hier aber auch die Hin- und Rückfahrt von/nach Arusha mit zusammen knapp 300 km.

Abgesehen davon waren wir aber mit dem Wagen sehr zufrieden. Er war zwar mit über 200.000 km nicht mehr der Jüngste, aber hatte ein sehr bequemes Dachzelt und war zumindest auf unserer Tour verlässlich.

Vor Beginn der Tour kriegt man eine Einführung in die Ausrüstung und Nathan bespricht mit einem die Route und die Wege, die man in den Parks fahren sollte oder lieber nicht fahren sollte.

Auch wenn wir am Ende viel mehr gezahlt haben als geplant, können wir Tanzanian Pioneers als Anbieter empfehlen, da bei uns am Ende alles geklappt hat und es auch keinen wirklich günstigeren Anbieter gibt.

Wie genau organisiere ich alles?

Die Route

Die genaue Route sind wir mit Nathan wie gesagt bei der Übergabe des Fahrzeugs durch gegangen. Natürlich kann man nicht im Vorfeld wissen, wo genau die Tiere sein werden und besonders bei den Löwen ist es eher Zufall als gute Planung wenn man ihnen begegnen will.

Die Fahrer der Guided Tours sind alle per Funk miteinander verbunden und können sich daher sehr schnell untereinander austauschen, wo welche Tiere zu finden sind. Bei uns war es Zufall, oder wir sind den anderen Wagen hinterher gefahren bzw haben dort gehalten, wo auch diese gehalten haben. Dies hat immer ganz gut geklappt. Trotzdem haben wir bestimmt nicht so viele Tiere gesehen, wie auf einer geführten Tour. Dafür haben wir uns aber auch über unseren eigenen “Funde” mehr gefreut!

Die Eintritte in die Parks

Entgegen der Informationen, die wir vorher im Netz gelesen haben ist es total unproblematisch den Eintritt in die Parks zu bezahlen. Man braucht keine spezielle Kreditkarte, die man bei irgendeiner Bank aufladen muss, wie man auf zahlreichen anderen Seiten lesen kann. Es reicht eine handelsübliche Kreditkarte (Mastercard oder Visa). Damit zahlt man die Gebühren (pro Tag, Übernachtung und Auto) einfach am Gate. Barzahlung ist aber nicht möglich!

Manchmal muss man sich den Platz in der Schlange am Gate etwas erkämpfen, aber insgesamt fanden wir das alles ziemlich problemlos.

Campingplätze

Die Public Campsites muss man nicht im Vorraus reservieren, aber zumindest bei der Einfahrt in den Park buchen und bezahlen. Diese haben Duschen und Toiletten und man ist mit vielen anderen Campern zusammen. Die richtige Wildnis Atmosphäre kommt dabei natürlich nicht wirklich auf. Viel besser sind daher die…

Private Campsites

Diese sind unbedingt (lange) im Vorraus zu reservieren. Dabei hat uns dann Daniel von Tanzanian Pioneers sehr geholfen. Auf diesen Plätzen ist man dann ganz alleine. Kein anderer darf dort übernachten, dafür gibt es aber auch keine Duschen oder Toiletten. Also Abenteuer pur!

Diese privaten Campingplätze sind unserer Meinung nach definitiv den öffentlichen (Public) vorzuziehen, auch wenn man dafür auf den Luxus einer Dusche verzichten muss. Das Gefühl morgens aufzuwachen und wirklich nur Tiere zu hören und die Wildnis für sich alleine zu haben ist unbeschreiblich!

Die Plätze sind nur teilweise ausgeschildert und haben maximal ein Schild, das auf den ungefähren Ort hinweist. Eine Speicherung im Vorraus in einer Navigations App ist daher sehr zu empfehlen. Leider sind manche Plätze auch nicht wirklich auf Karten verzeichnet bzw. es gibt dazu auch keine genauen GPS Koordinaten. Dann hilft nur im Vorhinein Daniel bei der Routenplanung zu fragen, oder unterwegs Massai (diese gibt es nur im Ngorongoro) oder Ranger im Park.

 

Was muss ich bei einer Selbstfahrer-Safari beachten? 

Ihr braucht einen Internationalen Führerschein, um den Wagen zu mieten. Die Polizei unterwegs hat sich hingegen nicht wirklich dafür interessiert. Einmal wurde ich sogar gefragt warum ich 2 Führerscheine habe (einen internationalen und einen deutschen).

Der Polizei werdet ihr zahlreiche Male begegnen. Es gibt alle paar Kilometer eine Straßensperre. Nur einmal wurden wir aber auf ein angeblich nicht funktionierendes Rücklicht angesprochen (was nicht stimmte) und ansonsten kam es uns fast schon vor als wollten die Polizisten nur Smalltalk machen. Wir wurden nie dazu gedrängt eine Strafe zu zahlen und alle Polizisten waren ausnahmslos sehr freundlich und teilweise sogar witzig.

Die Straßenverhältnisse in Arusha und auf dem Weg in die Parks sind zwar anstrengend (Linksverkehr, chaotisches Durcheinander), aber ich hätte sie mir doch schlimmer vorgestellt. Wenn man sich etwas anpasst und schaut, wie die anderen fahren wird man keine Probleme haben. Wir kamen auf den 300 km außerhalb der Parks nicht ansatzweise in eine bremslige Situation. Man muss natürlich auch gut und gerne Auto fahren. Wer in einer Großstadt wie Berlin schon überfordert ist der wird es hier erst recht sein. Wer aber mit Selbstbewußtsein und manchmal etwas Dreistigkeit sein Auto lenken kann, der wird hier keine Probleme haben.

Innerhalb der Parks sieht das ganz aber schon wieder anders aus. Die Straßenverhältnisse sind hier katastrophal! Besonders die Hauptstraßen sind ein Albtraum! Man wird durchgerüttelt und geschüttelt, dass es schon nicht mehr lustig ist. Nach 2 Tagen bekam ich Magenschmerzen und ich dachte schon ich hätte mir was eingefangen. Aber die Achterbahn-artige Fahrerei hat mir wohl einfach auf den Magen geschlagen.

Hierzu kann ich 2 allgemeine Tipps geben:

  1. Die Nebenstraßen sind meistens viel besser zu fahren als die Hauptrouten. Außerdem ist dort viel weniger Verkehr. Natürlich kommt man auch viel langsamer vorran.
  2. Wenn die Strecke extrem holprig ist dann ist es oft angenehmer sehr schnell zu fahren (60-70 km/h) als sehr langsam. Man darf zwar offiziell nur 50 km/h fahren, aber keiner hält sich dran und es wird auch nicht kontrolliert.

Wo schlafe ich während einer Selbstfahrer Safari? 

Wir hatten auf unserem Landrover ein aufklappbares Dachzelt, das mit einiger Übung in 10 Minuten aufzubauen war. Darin war eine Matratze, so dass die Nächte eigentlich sehr angenehm waren.

So konnten wir uns einfach jeden Tag ein schönes Plätzchen auf einem Campingplatz aussuchen und hoch im unser Zelt krabbeln.

Der Nachteil bei unserem Landrover war, dass das Dachzelt die Dachluke versperrt hat, so dass wir nur aus dem Fenster raus schauen konnten, nicht aber nach oben. Unser Wagen war aber anscheinend der einzige mit dieser Einschränkung. Trotzdem solltet ihr bei der Buchung danach fragen, denn eine Dachluke ist schon ein ziemlicher Vorteil bei der Beobachtung von Tieren!

Wie verpflege ich mich während der Safari? 

Eigentlich wie bei jedem sonstigen Camping Ausflug. Wir hatten einen Gaskocher zusätzlich gemietet und konnten/mussten uns daher jeden Abend was leckeres zu essen kochen.

Wir haben dazu von zuhause schon einige Lebensmittel mitgenommen, von denen wir nicht erwartet haben, dass wir diese in Arusha überhaupt bzw. so günstig wie in Deutschland bekommen.

Dazu gehörten:

  • Müsli, Reis im Kochbeutel, einzelne Portionen Instant-Kaffee, vegetarischen Brotaufstrich, Schwarzbrot,Tee, Kartoffelpüree, Tomatensoße, Nudeln, Bulgurpfanne und weitere Sachen, die gut zu transportieren sind.

Den Rest (Milch, Käse, Eier, Wasser etc.) haben wir dann vor Ort in Arusha gekauft. In unserem Landrover war auch ein Kühlschrank, mit dem wir unsere Lebensmittel sehr gut kühl halten konnten. Die meisten Eier haben die Rüttelpiste in den Parks leider nicht überstanden und haben ihren Inhalt daher in den Kühlschrank ergossen..hier also Vorsicht beim Einpacken!

Was sind die Kosten einer Selbstfahrer-Safari? 

Da die Kosten unseres Landrovers nicht nur nach Tagen, sondern auch nach Kilometern abgerechnet wurden standen am Ende viel höhere Kosten auf der Rechnung als von uns erwartet.

Wir waren insgesamt 7 Tage unterwegs und hatten damit effektiv 5 Tage auf Safari (jeweils einen Tag ging  für An- und Abreise drauf)

Die Kosten für die Safari gliedern sich auf in Kosten für die Parkeintritte und für den Wagen.

Die Parkeintritte

  • meistens 60$ pro Person pro Tag
  • 40 $ für den Wagen pro Tag
  • 30 $ pro Nacht auf Public Campsites (50 $ für Private Campsites)
  • Alles plus 18% VAT (MwSt)

Zusammen waren das ca. 1400 $ für Parkeintritte. Eine Übersicht mit den aktuellen Preisen der Nationalparks findet ihr hier: Link.

Die Kosten für den Landrover 

  • 1100 gefahrene Kilometer an 7 Tagen plus:
  • Versicherung
  • Beitrag für Flying Doctors
  • Miete für Camping Ausrüstung
  • Lebensmittel und Wasser
  • Weitere Kleinigkeiten

Zusammen hat dies bei uns knapp 1900 $ allein für den Landrover ergeben.

Hinzu kamen noch Ausgaben von ca. 100 $ für Lebensmittel vor Ort bzw. in Deutschland.

⇒ Das hat bei uns Gesamtkosten für 7 Tage Selbstfahrer-Safari in Tansania von knapp 3400$ für 2 Personen ergeben.

Was sind die Vor- und Nachteile gegenüber einer geführten Safari?

Natürlich macht es einen riesen Unterschied, ob man mit einer Guided Tour durch die Parks fährt oder versucht sich alleine durchzuschlagen. Generell würde ich die Entscheidung für oder gegen einer der beiden Alternativen für eine Typfrage halten. Ich versuche aber trotzdem mal eine objektive Gegenüberstellung.

Vor- Nachteile Selbstfahrer-Safari 

Vorteile:

  • Die Reise gleicht einem Abenteuer, weil man jeden Campingplatz und jedes Tier selbst suchen und finden muss.
  • Man ist auf einsamen Routen und auf Private Campsites wirklich ganz für sich alleine
  • Man kann an bestimmten Stellen auch mal kurz aus dem Auto aussteigen und so die richtige Atmosphäre schnuppern (natürlich sollte man das nicht tun, weil es verboten ist)
  • Man kann zwischendurch auch mal eine Drohne steigen lassen und so die Landschaft von oben genießen (Natürlich ist dies eigentlich auch verboten)
  • Man kann anhalten, wann man will und überall hinfahren, wo man will (offroad fahren ist zwar offiziell auch verboten aber manchmal nicht zu verhindern)

Nachteile

  • Das Risiko irgendwo stecken zu bleiben schwebt immer im Hinterkopf. Wenn man kein ausgebildeter Mechaniker ist kann man durchaus in Schwierigkeiten kommen wenn der Wagen in einsamen Gegenden schlapp macht
  • Man muss die Route selbst planen und fahren und sieht daher wahrscheinlich viel weniger Tiere als bei einer geführten Tour
  • Es ist um einiges teurer als eine günstige geführte Tour mit 5 anderen Teilnehmern
  • Man muss sich sein Essen selbst kochen

Vor- und Nachteile einer geführten Safari

Vorteile:

  • Man muss sich um nichts kümmern
  • Man wird bekocht und betüdelt
  • Die Gesamtkosten stehen von Anfang an fest
  • Man sieht wahrscheinlich viel mehr Tiere

Nachteile

  • Man ist nie alleine
  • Man schaut sich die Tiere an, die der Guide zeigen will bzw. die die Gruppe sehen will
  • Es ist kein wirkliches Abenteuer

Fazit

Auch wenn die Safari am Ende doch um einiges teurer geworden ist als es eigentlich geplant war haben wir unvergessliche Erfahrungen gesammelt und eine unbeschreibliche Zeit gehabt. Das Gefühl alleine in der Serengeti mit seinem Landrover querfeldein zu fahren und an wunderschönen Orten für sich alleine zu zelten und dabei den Blick über die schier unendliche Steppe schweifen zu lassen war jeden einzelnen Euro wert.
Wir würden die Entscheidung für eine Selbstfahrer-Safari immer wieder so treffen!

Heißer Tipp: Im Ngorongoro Nationalpark könnt ihr zumindest an den Private Campsites direkt bei den Massai Walking Safaris (bzw. Wanderungen) buchen. Das ist mit Ranger im Park nicht möglich. Aber von den Massai wurde uns das mehrmals direkt vor Ort angeboten.

Wenn euch also auch der Gedanke auf 1 Woche mit 5 fremden Menschen in einem Auto eher abschreckt und ihr euch nicht scheut einen Allradwagen durch den chaotischen Stadtverkehr Tansanias und über die Albtraum-Pisten in den Nationalparks zu steuern dann lege ich euch dieses Abenteuer  wärmstens ans Herz!

Wir hoffen euch bei der Entscheidung bzw. Planung für eine Selbstfahrer-Safari in Tansania etwas geholfen zu haben. Falls ihr sowas schon immer machen wolltet dann plant doch einfach los!

Bei weiteren Fragen könnt ihr gerne einen Kommentar hinterlassen oder uns eine Email schreiben. Ihr könnt uns auch gerne von euren Erfahrungen berichten. Wir sind gespannt!

Lest unseren Reisebericht zu unserer Selbstfahrer-Safari hier:

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