Afrika Tansania

Selbstfahrer Safari Tansania – Reisebericht (Teil 2/2)

By on 16. January 2018

Nach zwei vollen Tagen im Ngorongoro Nationalpark ging es am dritten Tag morgens Richtung Serengeti. Hierbei ist zu beachten, dass der Eintritt in den Nationalparks immer für volle 24 Stunden gilt. Da wir um ca. 10:30 Uhr in den Ngorongoro eingecheckt hatten mussten wir auch zu dieser Zeit spätestens auschecken. Ist man über der Zeit muss man nochmal volle 24 Stunden bezahlen. Daher sollten man auch genug Zeit einplanen und rechtzeitig zum Naabi Hill Gate fahren. Über die Hauptstraße gelangt man nach einigen Kilometern zum Einfahrtstor der Serengeti. Das Gate für die Registrierung ist noch etwas weiter entfernt. Aber kaum waren wir in der Serengeti, haben wir auch schon neue Tiere gesehen. Erst eine Hyäne und kurz vor dem Naabi Hill Gate sogar einen Geparden…wir waren jetzt schon begeistert und gespannt, was uns sonst noch in der Serengeti erwarten würde.

Lest den 1. Teil unseres Reiseberichts hier…

Einfahrt in die Serengeti: Naabi Hill Gate

Am Naabi Hill Gate ist auf der rechten Seite ein kleiner Schalter zum auschecken. Hier lässt man seine Ngorongoro Permit abstempeln und das war es schon. Danach kann man auf der linken Seite in einem größeren Gebäude die Registrierung für die Serengeti vornehmen….oder man macht, wie wir erstmal, ein ausgiebige Pause und nutzt das kostenlose Wifi. Währenddessen kann man die bunten Vögel und Echsen beobachten, die ständig um einen herumlaufen. Neben den eher kleinen Vögeln lief auch ein großer Marabu direkt an uns vorbei und ließ sich geduldig fotografieren. Nachdem wir genug getrödelt hatten ging es endlich los. Also schnell zur Registrierung, zurück zum Auto und dann durch das Tor.

Reiseroute: Serengeti Tag 1

Auch in der Serengeti wollten wir uns von den schrecklichen Hauptstraßen fernhalten. Deshalb hatten wir uns den Weg rausgesucht, der direkt am Naabi Hill Gate Richtung Norden zu den Gol Kopjes führt. Nach den ersten Metern nach dem Gate wurden wir skeptisch….Wo ist nur die Straße???? Also wieder zurück zum Gate und bei einem Guide nachgefragt. Der Weg führt nicht hinter dem Gate rechts ab, sondern ca. 100 Meter davor. Laut der Info des Guides braucht man hierfür eine extra Erlaubnis (die übrigens nie überprüft wurde) , die nochmal 10$ kostet. Na klar…was auch sonst. Aber bei den hunderten von Dollar, die wir schon ausgegeben hatten, macht das auch nichts mehr aus. Also wieder rein in das Registrierungsgebäude, zurück durch das Tor und dann endlich Richtung Gol Kopjes. Der Guide hatte uns extra noch darauf hingewiesen, dass es sich um eine schwierige Strecke handelt und gefragt, ob wir sicher sind, dass wir diese alleine fahren wollen.

Umsonst in die Serengeti?! Ein nicht ganz ernst gemeinter Tipp: Da die Einfahrt zu den Gol Kopjes vor dem eigentlichen Gate in die Serengeti liegt und wir auf unserer gesamten Reise durch die Serengeti nicht ein einziges Mal kontrolliert wurden, hätten wir in den Park rein und auch wieder raus fahren können ohne die horrenden Gebühren bezahlen zu müssen.

Den schwierigen Teil der Strecke haben wir nicht gefunden. Nach unserer Reise durch den Ngorongoro Nationalpark war die Strecke zu den Gol Kopjes und auch zu den Simba Kopjes ein Kinderspiel. Schon nach den ersten Kilometern Richtung Gol Kopjes haben wir die erste Löwin gesehen. Wow…schon wieder waren wir hin und weg. Die Kopjes sind Felsen, die insbesondere von Geparden und Löwen gerne als Ruheplätze genutzt werden. So, wie vorher recherchiert, haben wir somit auch an den Gol Kopjes weitere Geparden und an den Simba Kopjes weitere Löwen angetroffen. Als wir später wieder Richtung Hauptstraße kamen wurden die Safariautos, die uns begegneten immer zahlreicher. Um den Nachteil auszugleichen, dass man ohne Guide nicht so leicht Tiere findet haben wir Ausschau nach anderen Autos gehalten und sind denen zum Teil einfach hinterher gefahren.

Immer wenn man zwei oder mehr Autos irgendwo stehen sah war klar, dass dort ein Tier darauf wartet fotografiert zu werden. Nach Löwen und Geparden fehlte für mich jetzt nur noch ein Highlight….Elefanten. Und die ließen nicht lange auf sich warten. Zum Nachmittag hin begegneten wir einer ganzen Herde…und das ganz alleine. Die Elefanten mit ihren Babys waren direkt neben der Straße. Ich konnte es gar nicht fassen, wie viel Glück wir hatten. Die Elefanten ließen sich von uns nicht stören und liefen gemütlich weiter.

Nach so einem erfolgreichen Tag konnten wir zu unserem Campingplatz, dem Nguchiro Public Campsite in Seronera fahren und den Abend entspannt ausklingen lassen….dachten wir. Am Campingplatz angekommen lief erstmal alles wie gewohnt. Andreas baute das Zelt auf und ich stellte Tische, Stühle und den Gaskocher bereit, so dass wir was zu essen machen konnten. Auf unserem Campsite gab es aber nicht nur Menschen…sondern auch Affen. Als ich für nur ein paar Sekunden den Korb mit dem Obst und Gemüse neben das Auto gestellt hatte, hatte sich ein dicker Pavian auch schon unsere Ananas geklaut und ist damit in sichere Entfernung verschwunden. Auf Obst zum Nachtisch mussten wir heute also verzichten.

Auch das entspannte Abendessen sah leider so aus, dass wir Tisch und Stühle hinter den Kofferraum stellen musste um nicht nass zu werden, da es relativ plötzlich anfing zu regnen. So nahmen wir recht zügig unser Abendessen ein und verkrochen uns dann in unser kuscheliges Zelt. In der Nacht wachten wir mehrmals von lautem Gebrüll auf, das Löwengebrüll sehr ähnlich klang. Richtig sicher waren wir uns aber nicht. Trotzdem verkniff ich mir dann aber doch den nächtlichen Gang zur Toilette. Und das war tatsächlich eine gute Idee. Denn auf dem vollgeregneten Boden des Campingplatzes entdeckten wir zahlreiche voluminöse Tatzenspuren im Matsch. Und von anderen Guides erfuhren wir, dass tatsächlich in der Nacht einige Löwen durch das Camp gelaufen waren. Puh… Glück gehabt!

Serengeti Tag 2

Am nächsten Morgen sind wir zu den beiden Hippo Pools gefahren, die nur ca. 30 Minuten vom Seronera Camp entfernt waren. Bei einem der beiden (Tripadvidsor-Link) konnte man sogar aussteigen und ziemlich nah an die stinkenden und laut rülpsenden Nilpferde herangehen. Eine zu große Nähe sollte aber nicht gesucht werden, denn das eine oder andere Krokodil haben wir auch im Pool gesichtet.

Bei dem anderen Hippo Pool (der sich lustigerweise Hippo Loop nennt und vom ersten Hippo Pool erreicht werden kann, in dem man auf der Hauptstraße angekommen links und nach ca. 300 Metern wieder rechts in den ausgeschilderten Weg abbiegt) konnte man zwar nicht aussteigen, aber dafür waren wir eine ganze Zeit lang alleine und so nutzte Andreas die Gelegenheit seine Drohne steigen zu lassen. Die Aussichten auf die Hippos sind aber beim ersten Pool ganz klar intensiver, auch wenn wir hier nicht viel weniger Nilpferde gesehen haben.

Und dort passierte es dann: In einer leichten Steigung nahm der Wagen kein Gas mehr an und blieb fast stehen.

Die nächsten Stunden haben wir damit verbracht anderen Autos hinterherzufahren, um so weitere Tiere vor die Linse zu kriegen. Das hat leider nicht wirklich geklappt. Wir haben in der nächsten Stunde keine Tiere gesehen. In unserer Verzweiflung haben wir uns dann eine einsame Route ausgesucht, die etwas aus dem Zentrum der Serengeti herausführte. Und dort passierte es dann: In einer leichten Steigung nahm der Wagen kein Gas mehr an und blieb fast stehen. Ich war kurz irritiert und sah dann erst bei einem kurzen Blick auf das Armaturenbrett, dass die Temperaturanzeige des Motors weit im roten Bereich war. Ich blieb sofort stehen und schaltete den Motor aus.

Tschüss Kühlwasser – Hallo Autopanne

Wir stiegen aus und öffneten die Motorhaube, obwohl wir natürlich keine Ahnung von Autos haben. Doch war es relativ leicht zu sehen, dass ein Schlauch am Motorblock nicht dort steckte wo er stecken sollte, sondern lose in der Luft wackelte. Der Schlauch gehörte wohl zum Kühlkreislauf und die Konsequenz war, dass unser komplettes Kühlwasser ausgelaufen war. Kein Wunder, dass der Motor überhitzte.

In unserer Ratlosigkeit texteten wir meinen Vater an, um ihn zu fragen was wir genau tun sollten. Sein Rat war eine halbe Stunde zu warten und dann langsam frisches Wasser in die Kühlung des Autos zu kippen. Nach einer sehr langen halben Stunde gossen wir dann frisches Trinkwasser in den Wassertank und fuhren langsam los. Es ging auch die ersten Kilometer gut, aber nach einigen Minuten stieg die Temperaturanzeige wieder in den roten Bereich. Also hielten wir wieder an und kippten neues Wasser nach.
Mittlerweile hielten auch andere Autos an und boten uns Hilfe an. So gossen wir erneut Wasser nach und sahen wie die Temperatur in den grünen Bereich fiel. Das ganze Spiel wiederholte sich insgesamt 4 Mal und jedes Mal schütteten wir neues Wasser nach (insgesamt ca. 8 Liter) bis der Wagen endlich rund lief. Das Drama hat uns fast den kompletten Nachmittag gekostet. Wir hatten uns schon darauf eingestellt, dass es das wohl mit der Serengeti gewesen war. Wir wollten nur noch einen kleinen Umweg durch die Steppe südlich der Campsites fahren, um danach wieder auf unserem Campingplatz anzukommen.

1,2,3 ganz viele……tausende Zebras und Gnus

Und dort sahen wir sie dann plötzlich. Die riesigen Herden, von denen wir bisher nur gehofft hatten sie zu Gesicht zu bekommen. Tausende Zebras und Gnus befanden sich vor unseren Augen, Tiere bis zum Horizont. Wir konnten es gar nicht glauben, so erstaunt waren wir. Die meisten Tiere waren nicht in Bewegung, sondern ruhten oder entspannten unter den wenigen vorhandenen Bäumen. Dieser Anblick war einer der beeindruckensten unserer gesamten Safari und wir waren sehr froh dieses Spektakel ganz ohne Guide und durch puren zufallen entdeckt zu haben.

Und plötzlich sahen wir sie.. Tausende und Abertausende von Zebras und Gnus. Tiere bis zum Horizont.

Nachdem wir dieses Schauspiel ausgiebig ausgekostet hatten sind wir zurück zu unserem Camp gefahren und haben dort wie gewohnt das Zelt aufgebaut und unser Essen gemacht. Wir hatten auch eine kleine Flasche Wein dabei (Danke Emirates Airlines!), um den Abend gebührend ausklingen zu lassen. Es war ja schließlich Silvester. Es ist aber relativ schnell ein Gewitter aufgezogen, so dass wir uns mit unserem Topf Tortellini in unser Dachzelt zurückzogen, eine Serie auf Netflix schauten, und das Gewitter über uns ergehen ließen. Gegen 22 Uhr schliefen wir dann trotz des prasselnden Regens ein und wurden nur kurz durch ungewöhnlich laute Geräusche (dieses Mal eher menschlicher als tierischer Natur) aus unserem Schlaf geweckt. Happy New Year!

Ausflug zum Olkarien Gorge: 2. Versuch

Am nächsten Morgen sind wir relativ früh losgefahren, da wir den verrückten Plan hatten doch noch zu der Olkarien Schlucht zu fahren. Dies wollten wir ja schon an unserem 2. Tag im Ngorongoro Nationalpark machen, aber da machte uns der leere Tank einen Strich durch die Rechnung. Wir fuhren dieses Mal also so schnell wie möglich über die wirklich unmöglichen Hauptpisten der Serengeti und der NCA. Wir wurden bis aufs Äußerste durchgeschüttelt und zugestaubt. Wer es nicht selbst erlebt hat der wird sich diese Fahrt, die einem Ritt auf Omas alter Waschmaschine gleicht, nicht vorstellen können. Nach ca. 2 Stunden Raserei sind wir dann endlich an der Abzweigung angekommen. Wir freuten uns schon, denn auf den Nebenpisten sind die Straßenverhältnisse eigentlich immer besser. Es war zwar schon fast Mittags, aber wir konnten uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen, dass die folgenden 50 Kilometer zwar unglaublich abwechslungsreich, aber teilweise auch nur in Schrittgeschwindigkeit zu fahren waren. Es ging abwechselnd durch sandige Ebenen, durch einen kleinen Fluss, durch kleine Wälder und abschließend über große hügelige Landschaften.
Wir sind bestimmt 3 Stunden Richtung Norden gefahren und auf der gesamten Strecke keinem anderen Auto begegnet. Nur die Masaai haben wir immer gesehen, wenn wir auch nur kurz angehalten haben. Meistens sind diese auch aus großer Entfernung zu uns herüber gelaufen, um uns zu begrüßen, uns nach unserem Ziel zu fragen oder uns einfach anzustarren. In dieser einsamen Gegend im nördlichen Ngorongoro Nationalpark haben wir aber nicht einmal eine negative Erfahrung mit den Masaai gemacht. Alle waren freundlich, interessiert und teilweise auch ängstlich und keiner hat gebettelt.

Nach einem Blick auf die Uhr mussten wir aber feststellen, dass wir es auf keinen Fall mehr bis zum Gorge schaffen würden und bis zum Sonnenuntergang zurück zum Simba Camp (was das Ziel für unseren Tag darstellte). Von einer ausgiebigen Wanderung in der Schlucht mal ganz abgesehen. So fällten wir sehr schweren Herzens die Entscheidung aufzugeben und umzukehren. Bis heute bereuen wir nicht noch mehr Zeit für die Fahrt eingeplant zu haben. Wir wissen noch nicht einmal wie lange es noch gedauert hätte. Von der Abzweigung an der Hauptstraße sind es bis dorthin bestimmt 3-4 Stunden. Generell ist es also eher ein Tagesausflug. Wenn ihr es also auch vorhabt dann nehmt euch genügend Zeit und auch Diesel mit!

Nach unserer Rückkehr sind wir zum Simba Public Campsite gefahren und haben uns dort als eine der ersten Individual Camper auf der Wiese mit Blick auf den Krater gemütlich gemacht. Zu dieser frühen Zeit war der Rasen des Camps noch von Zebras und Marabus bevölkert, die sich an uns gar nicht zu stören schienen. Gottseidank gab es auf diesem Campsite auch warme Duschen, und so konnten wir die letzten Stunden unserer Safari frisch geduscht und mit einem spektakulären Blick vom Kraterrand verbringen.

Rückkehr nach Arusha

Der letzte Tag bestand eigentlich nur daraus, zurück nach Arusha zu fahren, um dort den Wagen abzugeben. Auf dem Weg dorthin haben wir dann noch bei einem der zahlreichen Souvenirstände angehalten, um uns mit Ölbildern einzudecken, die alle paar Kilometer feilgeboten werden. Nach zähen Verhandlungen, bei denen wir den Preis für unsere gewünschten Bilder auf ca. 1/3 des Ursprungspreises gedrückt hatten konnten wir mit 8 Bildern in der Hand die weitere Rückreise antreten und kamen gegen 14 Uhr in Arusha an. Nachdem wir unsere ganzen Sachen entstaubt und neu zusammengepackt hatten wurden wir zum Kilimandscharo Airport gebracht, um dort mit einem Flug nach Sansibar den entspannteren Teil unseres Urlaubs beginnen zu lassen.

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